Essay: Guild Leadership – thoughts/risks/examples

Vorwort: Mein Essay ueber Gildenstrukturen, Entscheidungsfindung, Harmonie, Verantwortungen und Anforderungen an Guild Leadership, Fehler, Risiken und Vorschlaege zur Verbesserung, sowie Schaffung eines guten Klimas.
Es bezieht sich auf meine ehemalige WoW-Gilde (Per Noctem, später kurz PN), die ich von Grund auf aufgebaut und knapp ein Jahr lang geleitet habe (von Karazhan bis Illidan, von knappen Server Firsts bis zu ueber drei Monaten Vorsprung bei Illidan – und dennoch war viel nicht wie es sein sollte), bis ich mit WoW aufhoerte und mich zurueckzog. Nun ziehen sie intern das Fazit der Gildenentwicklung seit da und ueberdenken die weitere Planung.
Meine Gedanken folgen, oeffentlich, da ich denke dass dutzende, wahrscheinlich eher hunderte oder tausende von Gilden davon profitieren wuerden, den Artikel zu lesen. Sie muessen ihn nicht einmal akzeptieren, selbst eine gesunde Diskussion und Reflektion der Themen reicht aus, um einen positiven Effekt zu erzielen. Ich hab grad Spass am Tippen. Text follows.

Okay, ich kenne mich und das hier wird sowieso ein Roman, also machen wir das mal ein wenig strukturierter, mit Einleitung, Spannungskurve, Dramatik, Hoehepunkt und Schluss. Es ist meine Meinung zum Thema Gildenfuehrung und meine Sicht der Probleme bei Euch. Und ja, man kann aus Gildenleitung durchaus eine Wissenschaft machen und ja, man findet in der Leitung einer Gilde, also gewissermassen einer Gruppe von Menschen saemtlichen Elemente aus den Kernbereichen von Staatsformen, Sozialarbeit, Wirtschaft und vor allem Fuehrungskompetenz und sozialer Kompetenz.

Ich behaupte nicht die Weissheit mit Loeffeln gefressen zu haben, aber ich glaube ich habe mittlerweile sowohl eine weit objektivere Sicht auf das Ganze, als auch einige Erfahrung gesammelt (sowohl vor PN, als auch mit PN, als auch nach PN).

Prolog

“Per Noctem” war immer mein Baby – und es wird es auch fuer immer bleiben. Wenn ihr mal eine neue Gilde gruendet, ist mir ziemlich egal was ihr wie tut, aber einer Gilde namens PN, die ich einmal massgeblich gepraegt habe, wird immerzu die Erinnerung und der Stempel dessen anhaften, was einmal passiert ist. Ob das gut oder schlecht ist, liegt im Auge des Betrachters, aber fuer mich ist eben auch heute noch eine gewisse Beziehung zur Gilde da und sei es, weil ich einige der Leute kennenlernen durfte.

Wie man Gilden fuehren kann – oder: wie man es nicht tun sollte

Es gibt eigentlich im Groben nur vier Moeglichkeiten, wie das Ganze strukturiert sein kann.

- Monarchie/Autokratie/Absolutismus (einer bestimmt, Einfluss je nach genauer Struktur)
- Aristokratie (eine Gruppe bestimmt)
- Demokratie (alle bestimmen)
- Anarchie (keiner bestimmt – aber Utopie da es voraussetzt, dass alle von sich aus so einsichtig sind, dass es ganz ohne Regeln funktioniert)

Demokratie war urspruenglich das Ziel von Per Noctem – und zwar totale und unabdingbare Demokratie in allen Belangen mit vollstaendigem Verlust von Hierarchien, Zustaendigkeiten und Organisationsstrukturen. Meine Lehre aus einem Jahr des Versuches ist ganz eindeutig, dass es nicht funktioniert. Punkt.

Es klappt schlichtweg nicht, weil 2/3 der Leute ueberhaupt kein Interesse daran haben, etwas zu bestimmen. Sie werden sich nur selten beteiligen und dann auch nur an den Entscheidungen, die einem Vorteile bringen und an keinen die einem unliebsam sind. Und genau deshalb funktioniert Demokratie auch nicht. Alle unangenehmen Entscheidungen und all die Dinge fuer die man gehasst, geflamed, belaestert und in den Dreck gezogen wird (btw, ich hab gehoert Ihr nehmt nur noch Frauen auf? xD), bleiben an der Fuehrungsebene haengen, waehrend auf der anderen Seite alle flache Strukturen erwarten und man fuer Privilegien auch geflamed wird (Wie Chris wollte die Atiesh Splitter haben? Whoot, Nicos Twinks bekommen alle direkt Shadow Resi aus der Gildenbank? …). Und wenn dann Entscheidungen anstehen bei denen die Leute sich einbringen moechten, erwarten sie ein Mitspracherecht zu erhalten.

Unsere Politiker bekommen gutes Geld fuer ihren Job und werden so fuer den sozialen Abstieg im Auge des gemeinenen Buergers und die Aufgabe ihrer Ideale und Prinzipien entlohnt (sowie mit den garantierten Folgejobs in Aufsichtsraeten und als Berater, Vitamin B ist eben alles). Der Gildenleader ist einfach der dumme und hat allenfalls den “e-peen” Faktor Rang 0. Na gz!
Natuerlich tut man es aus Ueberzeugung und gern, aber rein objektiv betrachtet ist man halt der Dumme. Alles Unliebsame bleibt an einem haengen und bei allem anderen wollen die Leute mitreden. Das ist einfach kein faires Konzept.

Das groesste Problem ist hier aber vor allem die Unfaehigkeit der Entscheidungsfindung, vor allem bei unliebsamen, sowie kontroversen Entscheidungen.

In meinen Augen ist Demokratie also kein funktionierendes Konzept fuer eine Gilde. Der groesste Unterschied zwischen einer Gilde und einem Staat ist imho die Groesse des Ganzen und die Moeglichkeiten und Intentionen von Missbrauch.

Der gegenteilige Fall zur Demokratie ist wohl die Monarchie. Ein Herrscher bestimmt allein ueber alles. Das klingt jetzt faschistisch, aber ich denke in der Theorie ist das sowohl die perfekte Staats- als auch Gildenform, WENN (! wichtig) einige Voraussetzungen gegeben sind:
- Der Herrscher muss kompetent genug sein (er darf und sollte durchaus auf Berater zurueckgreifen) – und das ist zu 90% Sozialarbeit (!!!) und im Fall von WoW oft genug Kindergarten (ja, ich war als GildenMEMBER frueher auch ein quaengelndes Kindergartenkind!)
- Der Herrscher muss unbestechlich / nicht korrupt sein (hier scheitern die meisten Staaten, in WoW ist es bei den meisten gegeben, solang die persoenliche Bindung, das Gewissen und die Bekanntheit von privaten Daten und die Angst auf die Fresse zu bekommen groesser sind als der finanzielle Gegenwert der Gildenbank in Euro, daher in den Top 500 Gilden Europas weniger ein Problem)
- Der Herrscher braucht einen Macht Gegenpol, sei es durch ein Veto-System oder eine andere Opposition (Im Staat ist auch hier Macht ein zu grosses Risiko, im kleinen Kreis laesst es sich besser kontrollieren das ist wichtig und da sollte es eine Regel geben)
- Der Herrscher muss absetzbar sein (das ist durch das System bereits gegeben, wer keinen Bock hat, verlaesst halt die Gilde – ich finde die Bindung des Leaders zur Gilde wichtiger als ein Recht ihn abzusetzen. Das moegen andere anders sehen, aber ihr glaubt einfach nicht, wie sehr man an so etwas haengt, wenn man wirklich Stein-auf-Stein daran gearbeitet hat, es aufzubauen und nach jedem Orkan die Loecher wieder ausgebessert hat. Da verdient man es einfach nicht abgesaegt zu werden, ganz abgesehen davon, dass es vom Rechtemanagement in WoW gar nicht umsetzbar waere)

Sind alle diese Punkte erfuellt, ist das meiner Meinung nach der optimale Weg, den man versuchen sollte zu gehen. Ich geh dennoch auf die anderen Moeglichkeiten ein.

Aristokratie ist die Herrschaft der “Besten”, also einer Auswahl aller, die am besten fuer den Job in Frage kommen. Und genau hier faengt bereits das Problem an. Wie bestimmt man dergleichen? Wahlen? Das geht fast nur nach Sympathie und nicht nach Kompetenz. Vor allem geht es dann nach der Wahl auch mehr nach Sympathie – man will seinen Posten nicht verlieren, also muss man Entscheidungen treffen, die den Grossteil der Waehler (vor allem der eigenen!, denn andere Faktoren koennen letztlich immer noch ueberwiegen) gluecklich stimmen, die aber nicht zwangslaeufig die besten Entscheidungen sind.

Was sonst? Alle mitreden lassen, die wollen? Aehnliche Probleme wie zuvor, groesstes Problem die Entscheidungsfindung bei unliebsamen Entscheidungen, sowie Konfliktthemen. Alle Konzepte abseits von der Alleinherrschaft sind hier eingeschraenkt. Man kann natuerlich anfangen Hierarchien zu installieren, aber dann mal viel Spass… Das gibt immer irgendwann einen Aufstand “von unten”, ausser es nimmt tyrannische Zuege an, um die unten abzulenken, zu ueberwachen und/oder zu kontrollieren. Wer will schon “schlechter” sein, als die “Besten”, die herrschen? Kein Mensch ist das gern (auch wenn es sicher einige gibt, denen es egaler ist als anderen – bis es mal jemand der oben steht heraushaengen laesst).

Richtig problematisch wird es aber bei groesseren Strukturproblemen, vor allem wenn es drastisch werden soll, wie hier. Wenn Vorschlaege wie die Reduzierung der Gildengroesse auf 15 Leute kommen, d.h. wenn man 20 oder mehr Leute kicken wollte, dann wuerde man in keiner Entscheidungsform abseits der Alleinherrschaft je zu einem Konsens kommen und die einzige Alternative ist eine Neugruendung und ein Verlust der alten Gilde. Alles andere waere nicht objektiv, weil zwangslaeufig spielerische Kompetenz und Fuehrungsqualitaeten nicht linear einhergehen und somit auch ein erheblicher Anteil der Leute mit Entscheidungsrechten fuer ihr eigenes Ausscheiden stimmen muessten. So etwas klappt nicht. Jedenfalls nicht objektiv.

Allem voran erreicht man so aber auch keine gute Stimmung. Es foerdert im Gegenteil Parteienbildung, kleine Interessensgemeinschaften und die Abspaltung, Kapselung sowie den internen Konflikt, da es verschiedene Gruppen gegeneinander polarisiert.

Meine Prognose daher: es funktioniert nicht.

Der letzte Punkt ist die Anarchie, also uebersetzt das Fehlen jeglicher Gesetze und Regeln. Es wird oft missverstanden und mit dem “Recht des Staerkeren” gleichgesetzt, was aber schlicht falsch ist. Die Grundidee ist dass man keine Gesetze und Regeln benoetigt, weil jeder muendig und intelligent genug ist, im Sinne der Gemeinschaft zu handeln.

Anarchie war im Grunde von Anfang an der wirkliche Grundgedanke von PN und ich glaube auch heute noch, dass Anarchie in einem begrenzten Rahmen eine sehr feine Sache ist. Aber wirklich nur in begrenztem Rahmen und vor allem mit den richtigen Leuten. Die hatten wir weder zu meiner Zeit, noch habt Ihr sie heute. Dazu sind die meisten viel zu desinteressiert oder egoistisch.

Wenn es moeglich ist, wuerde ich immer darauf verzichten Dinge zu reglementieren und “Common Sense” als einzig gueltige Regel definieren. Das war immer der absolut wichtigste und zentralste Punkt in dem wir uns von anderen Gilden unterschieden haben. Ich habe jedes Mitglied als muendig genug gesehen in fast allen Entscheidungen fuer sich sprechen zu koennen und damit auf festes Reglement verzichten zu koennen. Bei anderen gibt es Satzungen, Regelwerke und jeder Scheiss ist bis zum Ende vordefiniert. Das gilt uebrigens auch fuer Spielverhalten. Ich finde gute Spieler muss man nicht gross einteilen und einweisen. Schlechte Spieler hingegen schon. Wenn der Leader genug fuer den Idioten vor der Tastatur denkt und ihm nur noch sagt wann er welche Taste druecken muss, kann man sicher auch mit 24 Idioten Erfolge feiern, wenn die eigene Toleranzschwelle so angesiedelt ist, dass man ueber Aufwand, Idiotie und Zeitanforderung des Ganzen hinweg kommt.

Das heisst alles nicht, dass es nie Regeln oder Planung gegen darf, im Gegenteil. Es heisst nur, dass man es auf das gesundeste Mindestmass reduzieren muss. Allem voran heisst es aber, dass man muendige Mitspieler braucht und genau daran mangelt ist JEDER Gilde > 15 Leute.

Und somit kommen wir zum naechsten Kapitel:
Spannungskurve – oder: welche Schluesse zieht man daras?

Wo moechte man denn hin? Und was ist ueberhaupt sinnvoll moeglich? Solang man unter 10-12 Leuten bleibt, ist eine Gruppe familiaer. Splittet sich jemand hier ab, wird er schnell der totale Aussenseiter. Sind Gruppen also in etwa in dieser Groesse, hat man zumeist in gutes Verhaeltnis zu jedem, kennt jeden persoenlich und weiss wie die Leute ticken. Wenn die Gruppe nicht bestimmt wurde, sondern (wichtig!) sowohl leistungsbezogen, als auch charakterlich auf einem aehnlichen Niveau spielt, hat man mit grosser Sicherheit ein gutes Klima und wird eine verschworene Gemeinschaft. Jeder kann fuer den anderen einstehen und sich mit diesem identifizieren. Bis zu dieser Groesse ist es vor allem moeglich eine Gemeinschaft zu gruenden in der es keine Dreiecksbeziehen gibt (A mag B, B mag C, A und C koennen einander nicht ab). Wie oft habe ich “man kann eben nicht mit jedem klar kommen” gehoert? Mein Ziel mit Per Noctem war es immer genau dies zu aendern und alles dafuer zu tun, dass man das eben doch kann. Dass man sich zwar nicht innig lieben muss, aber einander zumindest akzeptiert und respektiert. Ich denke wir haben das sehr lang geschafft und zu Karazhan Zeiten war es definitiv der Fall. Danach erst ist es gescheitert, denn irgendwann wird eine Schwelle ueberschritten, nach der Harmonie in der Gruppe einfach nicht mehr moeglich ist.

Und ich meine hier nicht einmal nur charakterliche Harmonie – ich meine auch spielerische!

Die meisten Konflikte entstehen aus Frustsituationen. Man wiped wieder und wieder und da hat natuerlich keiner Bock drauf, es soll ja voran gehen! Also sucht man sich einen Schuldigen, sei es weil der Mensch nun einmal gern laestert, oder vor allem auch weil man so von seinen eigenen Fehlern ablenken kann. Wenn die Gemeinschaft intensiv genug ist, dass die persoenliche Beziehung staerker ist als kurzfristiger (!!) spielerischer Misserfolg, dann kann sie auch langfristig harmonieren.

In fast allen WoW Gilden ist das aber nicht der Fall. Zwangslaeufig kommt es bei 25 (ehemals ja sogar 40) Personen Raids, deren Schwierigkeitsgrad und Anspruch kontinuierlich steigt, zu Spannungen und Konflikten und vor allem zu einem Leistungsgefaelle, das nie zuvor so gut messbar war, wie heute. Man geht eben zu Gorefiend oder Archimonde und sieht, wie T6.5 overgeared Spieler es auch das 10te mal wenn sie zum Geist werden verraffen oder mit Doomfire und Tears nicht vernuenftig klar kommen. Nie zuvor gab es so “sophisticated” Addons um DPS/HPS/TPS/DD/HD/DT zu messen oder gar das maximale Level an Detail mit WWS, wo wirklich jede Aktion beobachtet werden kann, jede Todesursache, jeder Tanktod analysiert wird. Es ist einfach den Schuldigen zu finden. Es ist aber schwer einen Status zu halten bei dem JEDER im Raid immerzu wirklich findet “das kann jedem MAL passieren” und nicht “der Idiot rafft das nie” oder “der schon wieder…”. Denn genau das ist Gift fuer den Raid. Und dabei kommt es nicht darauf an, ob man das kommuniziert (was zumeist ja in diversen Klassenchannels passiert und das hinter dem Ruecken des Betroffenen), sondern dass man es wirklich auch nicht einmal denkt!

Das ist verdammt schwer. Und es braucht vor allem viel Kommunikation und Reviews. Man muss ueber Fehler reden. Und das intensiv und nicht so lapidar, wie es in so ziemlich allen Gilden gaengige Praxis ist. Wieso nicht nach einem Raid eine 10 minuetige Review Session in der man im Voice Tool seiner Wahl einfach mal wirklich ueber alles redet, was nicht so war, wie es haette sein sollen? GANZ OFFEN!! Mit Nennung von Namen und dennoch so, dass es kein Pranger ist, sondern die sinnvolle Aufarbeitung von Kritik.

Es gibt Gruende weshalb man das nicht macht.
- 2/3 der Leute hat kein Bock drauf (sind btw. dieselben 2/3, die sich in der Gildenfuehrung nicht engagieren)
- 90% der Leute sind nicht faehig Kritik zu empfangen und das Feedback positiv umzusetzen (das sind btw. immer genau jene, die bei jeder Gelegenheit Kritikfaehigkeit als wichtig proklamieren)
- 80% der Leute sind sind nicht faehig Kritik angemessen vorzubringen
- Frust ist meist staerker als Zusammenhalt
- Laestern ist gute Unterhaltung
- es passiert nicht regelmaessig und Kritik ist nur gut, wenn sie frisch ist
- angestaute Kritik wird immer persoenlich genommen, denn sie ist schlecht nachvollziehbar / der bleibende Eindruck ist hinterlassen, ohne Chance ihn rechtzeitig zu aendern

Fast alle wollen 25er Instanzen raiden, was ohne “dead weight” und Konflikte nicht moeglich ist. Es gibt eben immer Leute, die einander weder akzeptieren noch respektieren. Die Folge sind vorprogrammierte Konflikte, von gegenseitigen Schuldzuweisungen, ueber Laestereien, bis hin zur “Suendenbock”-Mentalitaet.

Allem voran steht dabei immer das soziale Gefuege der Gemeinschaft. Basierend auf ihren Erfahrungen, soft skills und auch fachlichen Kompetenzen, wandern Menschen in Schubladen. Wird die Gemeinschaft unpersoenlich und vor allem heterogen genug, was ab mehr als 15 Leuten definitiv der Fall ist, so ist es zu spaet, um konstruktiv Fehler zu analysieren. Man braucht eine homogene Umgebung in den Kernkompetenzen. Das heisst nicht, dass nur noch zehn eineiige Zwillige erfolgreich raiden koennen, sondern im Gegenteil, dass das Leistungslevel aehnlich sein muss und es in einigen Ansichten genug Konsens gibt, um miteinander reden zu koennen. Jeder einzelne muss ein Interesse am Gemeinwohl haben und dazu bereit sein Zeit und auch Muehe in die Gemeinschaft zu investieren.

In solch einer kleinen Gruppe kann sogar ein wirkliches Demokratiekonzept funktionern, wenngleich ich auch hier glaube, dass eine Alleinherrschaft unproblematischer, einfacher (viel weniger Aufwand fuer…alles? – ausser fuer den einen natuerlich) und vor allem effektiver und handlungsfaehiger ist, wenn man meine zuvor genannten Kernpunkte (primaer Gegenpol / Veto, jeder braucht Grenzen) umsetzt. Dennoch muss wirklich JEDER seinen Beitrag leisten. Und das ist mehr als es klingt. Gar nicht mal mehr Arbeit, als man bereits heute mit Laestereien, Wipes und Aerger verbringt. Aber vor allem mehr Bereitschaft und Initiative. Daran mangelt es zumeist. Ein gesunder Optimismus ist auch nicht verkehrt. Und laechelt/lacht viel waehrend Ihr im Voice Chat redet, die andern werden es merken (auch wenn ihr nicht laut lacht). :)

Wichtig ist vor allem, die soziale Kompetenz bei jedem. Einjeder muss faehig sein jeden (!) anderen der Gruppe charakterisieren zu koennen und wenn jener ein Anliegen hat, auch die passive Kommunikation, die in diesem Anliegen steckt, zu erkennen. Ich bin ein Mensch, der sehr direkt kommuniziert und geradewegs heraussagt, was er denkt. Das kann indirekte Menschen leicht kraenken und es erfordert bei jenen ebenfalls ein Umdenken. Anfangs hatte ich gerade mit den Resultaten passiver Kommunikation einige Konflikte (hey Nico/Andrea/Leenchen/Seb!), aber ich glaube wirklich viel in meiner Zeit als Gildenleader gelernt zu haben. Sehr viel wahrscheinlich (hey Marko/Markus/Jan!). Ich merke jetzt im Job, dass ich es Meetings, Telcos und Krisensitzungen viel einfacher habe, weil ich besser verstehe, wie die Menschen ticken. Man kann vielen echt nicht mehr boese sein, wenn man einmal weiss, wie diese wirklich fuehlen. Btw, wer gern Fantasy Literatur liest, besorgt Euch die Templer-Trilogie der Starcraft Buecher, im Grunde besagt die Khala der Protoss nichts anderes: Es ist eine spirituelle Verbindung, die jeden Protoss jederzeit alle Gefuehle der anderen Protoss spuehren laesst, mit dem Resultat, dass man wirklich versteht was alle denken, weshalb sie so handeln und niemandem wirklich boese sein kann. Erst durch diese Verbindung wurden sie nach Jahren des Krieges zur Einheit. Das ist Fiktion, aber der Kern besteht: Nur wer jemanden wirklich versteht, kann ueber ihn richten. Und man kann durchaus auch ohne eine spirituelle Verbindung genug soziale Kompetenz zu erlangen, um den anderen besser einschaetzen und verstehen zu koennen.
Allem voran ist naemlich auch dies vor allem eine Frage des Wollens und gar nicht mal des Koennens. Seit ich mich bemuehe und darauf achte, kommen mir selbst die meisten gestandenen, erwachsenen Maenner in Anzuegen wie kleine Schulkinder vor, die quaengeln, weinen, einen auf Dicke Hose machen, ihren Dickkopf durchsetzen wollen, eingeschnappt sind, Ideen haben, intro- und extrovertiert sind, usw… man sieht einfach viel mehr Nuancen in jedem. Es ist zu 80% der Wille es zu sehen und zu 20% Erfahrung und letztere basiert wiederum vollkommen auf ersterem. Bemueht Euch und es funktioniert auch.

Ja was nun? Ich habe beschrieben…
…wie man zu Entscheidungen kommt, die moeglichst objektiv und im Wohle der Gruppe sind.
…wie man Konflikte spart und den anderen zu verstehen lernt.
…wie man den Verwaltungsaufwand auf ein Mindestmass reduziert.
…wie man durch Muendigkeit mit so wenig Regeln wie noetig auskommt.
…wie man die Substanz einer Gruppe strukturieren muss, damit all dies moeglich ist.
…wie man langfristig Leistungsverbesserungen erzielt.
…wie man Harmonie erreicht und somit Spass erhaelt.
…wie man all dies in der Realitaet aussieht.
…wie man den Punkt ueberschreitet an dem all dies moeglich ist.

Dramatik / Hoehepunkt – oder: was ist denn nun “the way to go”?

Will man wirklich eine harmonische, konsistene Gruppe, ohne grosse interne Reibereien, so muss man meiner Meinung nach ein hartes Limit bei spaetetens 15 Leuten setzen. 8-12 ist besser, aber eben wegen der Mindestraidgroesse von 10, sowie Ersatz, kaum praktikabel. 13 sollte imho das angestrebte Ziel sein.

Alles darueber hinaus verliert die Moeglichkeit harmonisch, integer und verwaltbar zu bleiben, ohne die an anderer Stelle Konflikte aufzutun.

Es gibt mit Sicherheit Ausnahmen.
Der eine Teil dieser Ausnahmen ist extrem leistungsorientiert, so dass ein gemeinsames hohes Skill-Level so sehr ueberwiegt, dass es alle anderen Nachteile aufwiegt und den Willen gemeinsam voranzuschreien stark genug macht, um die Probleme zu verdraengen. Ich denke es gibt vielleicht 30-40 Gilden auf der Welt, die diesen Status erreicht haben und das sind genau die Gilden, deren Namen jeder alte Raider kennt. Denn nur hier ist das Skillgefaelle durch zig Servertransfers guter Spieler auf ein akzeptables Mindestmass gesunken. Alle anderen kaempfen mit Personalproblemen und sind gezwungen Spieler zu akzeptieren, die eigentlich nicht den Anforderungen genuegen, um ihre Raids vollzubekommen.
Das genaue Gegenteil sind Gemeinschaften, die kaum leistungsorientiert sind und wo das gemeinsame Wipen eher die Rahmenhandlung zum lustigen Plauder-/RP-/Flirtabend bietet. Hier ist dann WoW mehr bunter Chatraum als kompetatives Medium.
Darueber hinaus existieren auch, sehr, sehr wenige Ausnahmen, die wirklich den Kompromiss schaffen. Dies sind aber fast alles alte Gemeinschaften, die seit Jahren gemeinsam spielen und die es geschafft haben ueber das Spiel hinaus eine Community zu werden, in der man mehr miteinander macht, als ein Spiel zu spielen. Diese Leute leben ihr Virtual Life gemeinsam und wenn das eine Spiel keinen Spass mehr macht, dann wandert die ganze Gemeinschaft eben zum naechsten. Hier zaehlt der Zusammenhalt ueber alles und der Kern der Gruppe wird jedes Spiel ueberleben. Diese Gruppen sind wirklich zu beneiden, vor allem wenn sie es schaffen gesund zu wachsen. Nicht weil sie es brauchen, sondern einfach weil sie es wollen und es auch schaffen die neuen wirklich zu integrieren. Meinen Respekt an jede solche Gilde, aber ich glaube nicht, dass es davon mehr als 50 gibt, bei denen intern wirklich vollstaendige Harmonie herrscht. Es darf ruhig mal krachen! Aber man muss eben sozialkompetent genug sein, das aufzufangen und die Stimmung danach wieder zu heben. Erfolg und Fortschritt muessen in Einklang mit den Erwartungen aller stehen. Es ist eine wahre Seltenheit und sollte das absolute Ziel sein.

Jetzt der direkte Bezug auf PN:
Bei PN haben wir den Status Community nie erreicht. Der Grossteil ist unwillig oder gar unfaehig ueberhaupt Smalltalk zu fuehren oder einmal ueber den Horizont eines WoW hinauszusehen und “einfach mal zu quatschen”. Klar, einige wollen das nicht, aber die werden eben auch nie eine wirkliche Gemeinschaft. Bei PN will der absolute Grossteil es nicht. Ich habe in dem einen Jahr so wenig ueber die Leute kennengelernt, dass es erschreckend ist… Es war wirklich nur eine Zweckgemeinschaft. Und genau hier habe ich und hat die Gilde als Ganzes versagt. Mit der aktuellen Besetzung wird sich das auch niemals aendern. Man kann es mit einem normalen Rekrutierungsprozess auch gar nicht abdecken. Es geht nur so, wie wir angefangen haben. Schritt fuer Schritt ganz vorsichtig wachsen und immer eine familiaere Atmosphaere aufrecht erhalten. Das ist ganz wichtig.

Erinnert sich noch der ein oder andere, der ganz alten Member? Unser Ziel war es urspruenglich eine 15 Mann Gilde zu gruenden und uns einen Partner-Raid fuer 25er Instanzen zu suchen. Beide Gilden koennten intern wirklich integer sein und nur kooperieren um das Ziel zu erreichen. Ich hatte von Anfang an grosse Zweifel so zu wachsen, dass man intern 25er machen kann. Wir haben uns nur dazu entschieden, weil wir keinen anderen Raid finden konnten, mit dem wir haetten koopieren koennen (in Sachen Progress, Skill und auch Willen). Ich hatte immer meine Zweifel, dass ein groesseres Konzept funktionieren kann. Mein Fazit ist, dass es beinahe nie klappen kann.

Irgendwann hat sich eine Gemeinschaft ueberlebt. Spaetestens dann, wenn jeder irgendwie ueber jeden herzieht, Kommunikation kaum noch stattfindet und Fehler vor allem bei anderen gesucht werden.

Ich finde es ueberaus amuesierend, wie Leute nach Kicks und Veraenderungen schreien, die auf meiner eigenen (Kick-)Liste ganz oben gestanden haetten. Ja, ich hatte damals nicht den Mut und die Haerte Leute zu kicken, die ich haette kicken muessen, bin da wohl zu sehr Carebear. Einem gewissen Paladin-Spieler ist es sicher ganz genauso gegangen, nur hat er das meiste Feedback noch persoenlicher genommen, als es bei mir schon der Fall war. Er wurde aber auch ziemlich ins kalte Wasser geworfen, ich konnte mir ja ueber die Zeit ein dickes Fell aneignen.

Es kann sich natuerlich viel veraendert haben, aber wer beim zweiten mal Gorefiend Geister nicht zumindest fehlerfrei seine eigenen (was ein absoluter Witz ist, man schafft fast die des naechsten/vorherigen…) erledigen kann, der hat in einer Gilde, die Top 100 Euro spielen will schon absolut nichts mehr verloren. Denkt zurueck und ueberlegt, wie es euch ging. Ein Fehler sei jedem verziehen, ein zweiter in Ausnahmefaellen, danach hat es erst einmal zu funktionieren. Und genau diese Erwartungen erfuellte ein Grossteil von PN damals nicht und erfuellt es auch heute nicht. Genauso sieht es auch mit DPS Spreadsheet Analyse, effizienten UIs und Hotkeys und Raidvorbereitung aus. Und das geht fast allen Raidgilden so. Nur der Anteil dieser Leuet variiert, mal zu Gunsten der Gilde, mal zu Ungunsten jener. Dennoch wird sich aufgrund sozialer Probleme, unterschiedlicher Vorstellungen und Machtanspruechen nie die spielerisch perfekte Gilde eines Servers ergeben. Es ist illusorisch einen Kader mit 35 kompetenten Leuten auf einem hintertupfigen PVE-Server zusammen zu bekommen (ausser durch PVP->PVE transfers haette sich VIEL veraendert, aber selbst dann bietet man hier nicht genug Anreize).

Schluss oder: Wie kann man etwas aendern?

Natuerlich muss man aus WoW keine Wissenschaft machen. Jeder kann die Prioritaet des Spiels fuer sich selbst definieren. Aber wer nicht bereit ist an jeder Stelle das Beste zu investieren und wer nicht den Ehrgeiz mitbringt, so gut zu sein, wie es nur moeglich ist, sowie die situational awareness besitzt alle Anforderungen des Spiels zu erfuellen, der wird eben nie ganz oben mitspielen.

Wir haetten sicher niemals in der initialen Gemeinschaft das von mir beschriebene Ziel erreicht, aber wir hatten mal einen Kern zusammen in dem die Chemie stimmte. Letztlich bereue ich es fast, den Schritt zur 25 gegangen zu sein. Andererseits haette ich viele sonst vielleicht nie kennengelernt und viele Dinge nie erlebt, daher kann ich das kaum so sagen. ;) Es war ja dennoch eine schoene Zeit. Aaaaaber es gab eben auch immer viel Frust.

Das erschreckende in einem Spiel wie WoW ist aber, dass selbst in vielen Top-Gilden ähnliche Zustände herrschen und viele unzufrieden sind und nur aus Erfolgsdruck bleiben. Selbst der Großteil der Top 50 rennt eher mit dem Kopf gegen die Wand, als mit einer Strategie über Brücken.

Ich denke ohne wirklich drastische und große Veränderungen, kann man einen Karren nicht mehr aus so einem Loch ziehen. Der Zug ist immer abgefahren, sobald das familiaere Flair und die Harmonie verloren gegangen sind. Oeffentliche Diffamierung und Aechtung machen da nichts besser (deshalb hier mein Edit, sorry für die letzte Version, auch ich lerne noch xD). Druck erzeugen ist wohl nicht der Weg mit dem man zu Harmonie gelangt, ganz im Gegenteil. Das gleiche gilt fuer Aktivitaet. – Man setzt nicht an selbige zu beheben und hofft damit dem Problem zu entgegnen, sondern der umgekehrte Weg sollte angestrebt werden: Man fixt die Probleme im Miteinander und Aktivitaet ist automatisch die geringste Sorge und etwas das sich von selbst erledigt. Wer sich wohl fuehlt, verbringt auch viel Zeit in der Umgebung, wenn er es denn kann.

Ob es durch Reformation noch moeglich ist in einer aehnlichen Situation zu vermitteln weiss ich nicht. Ich glaube es nicht, aber es braucht definitiv viel Veraenderung und zwar auf jeden Fall mehr als ein wenig Beratung und zierliche Konsequenzen. Es braucht die Wiedereinkehr von Entscheidungsfaehigkeit, Kommunikation und vor allem Vertrauen.

Das heißt eben auch dass der “Fuehrer” (vorbelastetes Wort, ich weiss, aber das ist eben die Bedeutung von “leader” und es trifft es auch) die Gilde auch wirklich fuehren muss. Es muss eine klare Linie erkennbar sein, es muessen Entscheidungen getroffen werden und das Fuehren der Gilde muss Prioritaet vor allem anderen haben (vor allem auch vor dem eigenen Spielspass). Wenn die Chemie stimmt, kann aber auch genau das viel Spass machen, auch wenn es SozialARBEIT und Management ist.

Vor allem muss aber sehr viel kommuniziert werden. Mit jedem Mitglied der Gilde und genau hier wird es in großen Gruppen sehr schwer bis unmoeglich, wenn man keine Hierarchie aufbauen moechte. Familiaeres Gefuehl und wirklichen Zusammenhalt kann man nur in kleinen Gruppen erschaffen und erhalten. Eine Struktur, die diese Gruppen zusammenschweisst kann eine Loesung sein und funktionieren, aber dann braucht es Aufarbeitung, viel Kommunikation und gute Prozesse, damit Missverstaendnisse und Konfliktherde schnell genug beseitigt werden. Man muss sich sehr im Detail darum kuemmern.

Letztendlich moechte ich Euch viel Erfolg wuenschen, dass Ihr die Krise wirklich bewaeltigt. Aber lasst Euch das hier einen Rat sein, dass es wirklich noetig ist, _drastische_ Entscheidungen zu treffen und dass hier eine Kompromissloesung kaum Harmonie zurueckbringt. Zumindest niemals den Grad von Harmonie, den ich selbst mir als Spieler in einer Gemeinschaft wuenschen wuerde.

Aber wer weiss, vielleicht ist es ohne eine Menge Glueck auch gar nicht moeglich dieses Traumziel zu erreichen.

Epilog

Alles hier ist meine Meinung und Mutmassung. Alle Zahlen, Anteile/Prozentangaben sind Schaetzungen und Erfahrungswerte. Es gibt keine Quellen, keine Links, keine Beweise und keine wissenschaftlichen Analysen und Untermauerungen. Es ist was ich denke, akzeptiert es, ignoriert es oder diskutiert mit mir darueber.

Whatever!
Chris

*wer Bock hat mal wieder mit mir zu quatschen, kann sich gern melden: chris@pernoctem.de / Kallisti im dicio.org Mumble. ;)


7 Responses to “Essay: Guild Leadership – thoughts/risks/examples”

  • Lora Combs Says:

    hxskwbt5uvfg8b74

  • Chris Says:

    Hmm was ist der Sinn von dergleichen Spam? ;)

    Eine verschlüsselte Botschaft? Sind SIE es?!

  • Toto Says:

    “Nur wer jemanden wirklich versteht, kann ueber ihn richten.”

    Wer jemanden wirklich versteht, versteht auch, daß er kein Recht hat zu richten.

    Toto

  • Chris Says:

    Das ist natuerlich schoen populistisch ausgedrueckt und in obigem Kontext ging es eigentlich mehr um richten im Sinne von “ihn beurteilen”, aber ohne Urteile ueber andere Menschen wird man leider nicht durch das Leben kommen.

  • Toto Says:

    Hmm… hier stellt sich die Frage, was nun gemeint ist, mit dem Populismus. Meine Aussage, oder das Zitat? Ich bezog mich konkret auf das Wort “richten” und selbst aus dem Kontext heraus betrachtet steht dieser Satz doch ziemlich alleine. Wahres Verständnis und Kenntnis der Menschen/Dinge, soweit überhaupt philosophisch machbar, mündet in Weisheit, welche wiederum aus sich selbst erklärt, daß das “Richten” über andere nur Anmaßung enthält.
    Ansonsten gehe ich mit der Aussage über die Beurteilung von Menschen völlig konform; der Satz für sich erschien mir allerdings mißverständlich, bzw. zu kurz gedacht.

  • Chris Says:

    Ich hab den gesamten Text an einem Abend so heruntergeschrieben, kann durchaus sein, dass da einige Stellen drin sind, die ohne Hintergruende misstverstaendlich sind. ;)

    In dem Fall bezog sich das Ganze ja auf die Protoss Khala. Und die Fiktion der Protoss ist seine sehr hierarchische Gesellschaft mit Kastensystem, in der Judikatoren (deshalb auch “richten” ;) ) herrschen. Die einzelnen Staemme waren ueber Jahrhunderte verfeindet und haben sich erbittert bekaempft, bis sie die Lehre der Khala entdeckten. Durch die Khala kann jeder Protoss saemtliche Empfindungen und Gedanken des anderen verstehen und daher selbst jenen, die sehr schlimme Dinge getan haben und die er bislang abgrundtief gehasst hat nicht wirklich boese sein, weil er ihre Motive und Beweggruende in einer Tiefe offenbahrt bekommt, die saemtliches Verhalten erklaert. Insofern eruebrigt sich dann das “Richten” ueber diejenigen, die man versteht, waehrend sie anderen Spezies und Aussenstehenden gegenueber viel distanzierter und misstrauischer auftreten und bei in dem Fall auch Unschuldige verurteilen (diesmal im eigentlichen Sinne).

    Denke mal so macht das Wort mehr Sinn und wir sind eigentlich einer Meinung. ;)

  • Toto Says:

    Mit diesem Hintergrund kann ich nur beipflichten, denn aus der Erfahrung des anderen, durch eine Art “Teilnahme” an dessen Selbst, ergibt sich ja gerade meine obige Argumentation. Im Grunde genommen ist dieses dann keine “selbsterfahrende” Weisheit sondern eine “teilnehmende” und reflektiert die eigene Person und deren Unzulänglichkeit. Allerdings setzt das “nicht böse sein können” auch, oder gerade wegen der “teilnehmenden” Weisheit eine gewisse Einsicht voraus: Obwohl ich die Beweggründe meines Gegenübers und dessen Handlungsweise völlig verstehe, ist es doch notwendig, einen gewissen Altruismus zu pflegen, andererseits wird es mir nicht möglich sein, ihm ob seiner Verfehlung zu vergeben. Dies ist bei der selbst erfahrenen Weisheit anders, entsteht diese doch durch eine selbst-initierte Suche und ist nicht einfach präsent, ist also deutlich einfacher zu akzeptieren (wenn ich die Ergebnisse nicht will, bräuchte ich nicht zu suchen). Um es einfacher zu sagen: Auch wenn jemand die Wahrheit kennt, bedeutet das nicht, daß er entsprechend handelt.
    Aber ursprünglich lag es nicht in meiner Absicht, hier eine (leicht) philosphische Diskussion loszutreten. Nichtsdestotrotz, ein netter Gedankenaustausch :)

    Grüße aus Ddorf :)

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